Retter lassen Mann ertrinken

Der Tod eines 41-Jährigen empört England. Feuerwehr, Polizei und Sanitäter schauten zu, wie der Mann in seichtem Wasser ertrank, statt zu helfen. Damit hätten sie gegen Vorschriften verstossen.

Über ein Dutzend Rettungshelfer weigerten sich im südenglischen Städtchen Gosport, einen 41-jährigen Mann aus einem 90 Zentimeter tiefen See zu bergen. Gut eine halbe Stunde liessen die Männer diesen mit dem Gesicht nach unten in seichtem Wasser treiben und warteten dabei auf die Spezialisten der Wasserrettung. Der Fall, über den halb England heftig diskutiert, wird derzeit vor einem Gericht in Portsmouth verhandelt. Es soll geklärt werden, ob sich die Einsatzkräfte der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht haben.

Dabei fing alles ganz harmlos an. Der 41-jährige Simon Burgess war am Mittag des 11. März 2011 an den kleinen See seiner Heimatstadt Gosport gegangen. In seiner Mittagspause wollte er mit mitgebrachtem Brot die Schwäne am See füttern. Doch aus dem kurzen Ausflug wurde ein tödliches Drama, wie «The Guardian» berichtet.

Simon Burgess habe in Ufernähe auf einer Parkbank gesessen und habe Schwäne und Enten gefüttert. Alles habe sehr friedlich ausgesehen, sagte ein Augenzeugin vor Gericht aus. Ein plötzlicher Windstoss habe Burgess’ Plastiksack auf den See geweht. Burgess lief diesem nach und versuchte, ihn wieder einzufangen. Dabei kam er ins Stolpern und fiel ins Wasser.

«Wenn Sie sich beeilen, können Sie ihn retten»

Da Burgess wie wild um sich schlug, habe sie sich nicht getraut selbst zu helfen. Die Frau alarmierte deshalb sofort per Telefon die Rettungskräfte. Doch als wenige Minuten später die ersten Retter eintrafen, traute sie ihren Augen nicht. Statt den Mann aus dem Wasser zu ziehen, warteten die Besatzungen von zwei Löschfahrzeugen, zwei Polizeiwagen, zwei Krankenwagen und die Besatzung eines Helikopters auf die Spezialisten der Wasserrettung.

Laut «Daily Mail», sagte die 53-jährige Gillian Hughes vor Gericht aus, sie habe den Vorfall beobachtete und den Rettungsdienst alarmiert. Als dieser eintraf, habe sie die Männer aufgefordert, Burgess zu retten. Die Feuerwehr sei gleichzeitig mit der Polizei angekommen. Sie habe ihnen gesagt: «Er ist erst vor fünf oder zehn Minuten ins Wasser gefallen. Wenn Sie sich beeilen, können Sie ihm das Leben retten.»

«Wir dürfen nicht»

Doch einer der Männer habe nur gesagt: «Wir dürfen nicht.» Hughes entgegnete: «Aber es ist doch Ihr Job.» Sie fragte nach dem Grund: «Warum gehen Sie nicht hinein?» Er antwortete: «Wir dürfen nicht, wenn das Wasser tiefer als knöcheltief ist.» Darauf entgegenete die Frau: «Das ist doch ein Witz.» Der Feuerwehrmann aber meinte, «nein, es ist gegen die Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften.»

Kurze Zeit darauf sei ein weiteres Rettungsteam eingetroffen. Die Männer gingen los und liefen zur anderen Seite des Sees. Burgess sei während der Diskussion vor das gegenüberliegende Ufer getrieben worden. Die Männer überprüften mit einer Stange die Tiefe des Sees, gingen hinein und zogen den Körper des Mannes an Land.

Polizist wollte helfen

Doch einige Retter wollten nicht tatenlos zu sehen. Ein Polizist sagte vor Gericht aus, er habe zu Hilfe eilen wollen, aber er sei vom Feuerwehreinsatzleiter Tony Nicholls aufgefordert worden nicht zu gehen. Der Polizist wollte trotzdem gehen und fragte Nicholls nach einer Schwimmweste. Diese wurde ihm aber verweigert. «Ich wollte nicht herumstehen während ein Mann ertrinkt», so der Polizist. Er informierte seine Einsatzzentrale, dass er ins Wasser gehe. Doch auch von dort bekam er die Anweisung unter keinen Umständen hineinzugehen.

Der verantwortlich Einsatzleiter der Feuerwehr Tony Nicholls verteidigte sich gegen die Vorwürfe. Er sei davon ausgegangen, dass Burgess bereits tot war, als die Retter am See eintrafen. Es gab keine Anzeichen von Leben, deshalb sei er von der Bergung einer Leiche und nicht von einer Rettung ausgegangen. «Hätte es noch ein Lebenszeichen geben, wären wir sofort ins Wasser gestiegen», so Nicholls.

Burgess lag über eine halbe Stunde im Wasser

Eine Mitarbeiterin der Leitzentrale der Hampshire Feuer- und Rettungswache gab vor Gericht Auskunft über den zeitlichen Ablauf des Einsatzes und bestätigt im Grossen und Ganzen die Aussage von Gillian Hughes. Sie habe um 12.17 Uhr ihren Notruf entgegengenommen. Innerhalb einer Minute alarmierte sie eine Feuerbrigade, eine in Wasserrettung trainierte Einheit und eine sogenannte weitere Wasser-Unterstützungseinheit.

«Polizei, Unfallrettung und Küstenwache wurden ebenfalls alarmiert, dies ist Standard bei einer Wasserrettung», erklärte die Mitarbeiterin. Und: «Die Spezialisten-Teams kommen zum Einsatz, wenn das Gewässer mehr als knöcheltief ist. Um 12.20 Uhr bestätigte die Feuerbrigade ihr Eintreffen am Einsatzort. Um 12.25 Uhr funkten sie, ein Mann treibt Gesicht nach unten im See.»

Die Wasserunterstützungs-Einheit sei um 12.31 Uhr eingetroffen. Um 12.52 Uhr wurde der Zentrale mitgeteilt, dass ein Mann aus dem See geborgen und um 12.58 Uhr ins Spital gebracht wurde. Um 13.42 Uhr wurde Simon Burgess für tot erklärt.

Burgess hätte wiederbelebt werden können

Ein Gehirnspezialst des Spitals sagte vor Gericht aus, es habe Anzeichen dafür gegeben, dass Burgess aufgrund eines epileptischen Anfalls ins Wasser gefallen sei. Bei ihm wurde bereits 1987 Epilepsie diagnostiziert. «Hätte man den Mann nach zehn Minuten aus dem Wasser genommen, hätte eine kleine Chance bestanden, ihn wiederzubeleben», so der Arzt.

Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Die Vernehmungen werden in den kommenden Tagen am Gericht Portsmouth fortgesetzt.

Quelle und mehr…

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