Warum Griechenland in Wahrheit nicht fallen darf

Normal gibt es einen Punkt, wo die Zahlungsunfähigkeit feststeht. Werden dann nicht die entsprechenden Massnahmen getroffen, spricht man von Insolvenzverschleppung oder einem betrügerischen Konkurs. All diese Regeln sind mittlerweile ausser Kraft gesetzt und man mag sich fragen, warum das alles. In diesem Artikel möchte ich kurz die wichtigsten Risiken aufzählen, mit denen wir es im Augenblick bei Griechenland zu tun haben und warum diese Rettung tatsächlich Alternativlos ist.
Zunächst die beiden größten Risiken. Credit Default Swaps (CDS) und Target2. Über beides habe ich bereits einige Artikel geschrieben, möchte es hier aber noch kurz zusammenfassen, um zu erklären warum Frau Merkel sich mit “aller Gewalt” gegen einen Bankrott der Griechen stemmt.

In beiden Fällen, würde wahrscheinlich eine unkontrollierbare Kettenreaktion in Gang kommen, welche weitreichende Konsequenzen haben dürfte. Zunächst kann man sich das bei der kleinen Volkswirtschaft nicht vorstellen, die Realität jedoch sieht in diesem Fall ganz anders aus. Für detailierte Informationen zu Griechenland und den CDS lesen Sie bitte meinen Artikel – Griechenland, CDS : Betrug mit finanziellen Massenvernichtungswaffen

Wie desolat das gesamte Bankensystem ist, aufgrund von immer abstrakteren Wetten, ist mittlerweile dem interessierten Leser klar. Trotz erheblich aufgeweichter Bilanzierungsregeln und immer größeren Schlücken aus der Reflations-Pulle, taumeln die meisten Geldinstitute völlig benebelt am Abgrund herum. Zwar sind die ausgeschenkten Schlücke immer größer, jedoch muss auch immer mehr ausgebucht werden und so haben fast alle Kreditinstitute erhebliche Schwierigkeiten mit der Liquidität. Im Hintergrund hat sich ein Schattenmarkt entwickelt, der jede Vorstellungskraft sprengt. Wie eben im Fall der CDS auf Griechenland zum Beispiel.

Wenn Griechenland den Bankrott erklärt, dürfen sich die Systemrelevanten US-Institute in der Polonaise direkt mit anschließen, was einen Default der Weltfinanz und auch der Weltwirtschaft nach sich ziehen dürfte. Es geht um ein Lügengebilde, ungeahnten Ausmasses. Lehman Brothers wäre in dem Vergleich ein “sonniger Tag am Strand”. Werfen Sie einen Blick in die Bilanzen dieser “Großbanken”, wird sehr schnell klar, dass ein auslösen des Kreditereignisseses (in diesem Fall Bankrott von Griechenland) und die somit verpflichtende Zahlung enormer Summen, den sofortigen Bankrott dieser Institute nach sich ziehen würde.

Hier am Beispiel von Goldman Sachs. Der operartive Gewinn lag 2011 noch bei etwas über 6 Milliarden Euro. Den Verbindlichkeiten von 833 Milliarden US-Dollar stehen Satte 77 Milliarden an Eigenkapital entgegen. Wie hoch dabei der Anteil an “Fair Value” bewerteten Vermögenswerten ist, müsste noch ermittelt werden.

Kommen wir nun zu Target2. Zunächst beschränken wir uns auf den Saldo der grichischen Zentralbank.

Mittels des Targetsystems werden Defizite zwischen den Notenbanken der Eurozone untereinander ausgeglichen. Im Normalfall sollten dort keine größeren Defizite bestehen, da diese eigentlich mittels eines Clearings ausgeräumt werden. Aktuell sieht die Realität an diesem Punkt allerdings ganz anders aus und alleine Griechenland steht hier mit 104 Milliarden in der Kreide. Einen entscheidenden Satz aus Wikipedia möchte ich Ihnen dazu nicht vorenthalten:

Brutto-Clearingsysteme dienen dem täglichen Transfer von Geldern zwischen den angeschlossenen Banken. „Brutto“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass jede einzelne Zahlung aus dem Zentralbankguthaben der auftraggebenden Bank ausgeführt wird.[1]

Aus dem Zentralbankguthaben. Gehen wir nun mal den Bankrott Griechenlands durch und stellen uns die Folgen vor. Zunächst würde der Zahlungsausfall auf alle am System beteiligten Zentralbanken nach einem Schlüssel aufgeteilt. Soweit so gut, könnte man nun sagen. Werfen Sie jedoch einmal einen Blick auf alle Target2-Salden, gestaltet sich das etwas anders.

Es steht zu vermuten, dass Länder wie Portugal, Irland, Spanien und auch Italien, dann sehr schnell die Hände heben. Die folgende Grafik verdeutlicht das etwas:

Alleine Deutschland hat beimTarget2-Programm fast 500 Milliarden positiven Saldo auf sich vereinigt. Ein Ausfall der nennenswerten Länder, würde hier den Stöpsel ziehen und die Bundesbank mit Pauken und Trompeten in den Analen der Geldgeschichte versinken lassen. Ohne die Bundesbank jedoch, ist der Euro und das Eurosystem nicht mehr als ein Blutloser, toter Körper.

Nur diese beiden Umstände reichen, um Griechenland zur “Chefsache der Merkel” zu machen. In letzter Konsequenz wird alles nichts helfen und die Kernschmelze des Systems ist auch nicht aufzuhalten, aber zu verlangsamen. Wir können das gut mit einer echten Kernschmelze vergleichen, wo nur immer wieder gekühlt wird, die Kettenreaktion an sich jedoch nicht verhindert werden kann. Aus diesem Grund habe ich auch die Reihe “Kernschmelze : Die finale Staffel hat begonnen” ebenso getauft.

Die Deutlichkeit, mit der Frau Merkel an einer Rettung Griechenlands – trotz der garantierten Erfolglosikeit – festhält, ist der untrügliche Beweis. Die folgende Aussage von Frau Merkel würde ich zum Satz des Jahres küren.

“Wir weigern uns, die Pleite Griechenlands anzuerkennen”, sagte sie in einem ZDF-Interview, das am Montagabend ausgestrahlt werden sollte. “Wir können das nicht akzeptieren”.[1]

Jedesmal wenn ich über diese Frechheit nachdenke, muss ich wieder lachen. Eigentlich ist es traurig, aber stellen Sie sich das einfach mal im realen Leben vor. Sie gehen zu Ihrer Bank und erklären denen, dass Sie Ihre Arbeit verloren haben und das Haus nicht mehr bezahlen können. Der Banker schaut Ihnen in die Augen und sagt : “Wir weigern uns, Ihre Pleite anzuerkennen!” ?!?

Carpe diem

Quelle und mehr…

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